Soviel vorweg: Leider gibt es keine Fotos. Am 30.12. standen wir vor einem Haufen Chaos: Etwas DX-Wire, mehr Lautsprecherkabel, zwei Tuner (automatisch und manuell), drei Funkgeräte (akkubetrieben, netzabhängig und ein gehacktes Telefon), irgendwelche undefinierbare Hardware und eine Rolle Klebeband. Das Ziel des Workshops: Irgendwie und -wo in der Nordstädter Bürgerschule eine Antenne fürs 80m-Band anbringen und damit auch wirklich Funkbetrieb machen.

Erste Idee: Wir werfen 20m Draht aus einem Fenster im dritte Stock und spannen ihm an einem Baum ab!
Problem: Die Fenster über zugänglichen Bäumen liegen im Treppenhaus. Nicht bequem zum Funken.

Zweite Idee: Wir werfen 20m Draht über einen Dachvorsprung auf den Spielplatz und knoten ihn am Zaun fest!
Problem: Wie kriegen wir den Draht über den Dachvorsprung? An die Klebebandrolle knoten, ordentlich weit werfen … Pech, das Dach getroffen. Nächster Versuch … Dach getroffen, Rolle abgefallen. Weil nun unser Wurfgewicht weg ist, erübrigen sich weitere Versuche. Schade um das Klebeband.

Dritte Idee: Wir klettern auf den Dachboden, verlegen 10m Draht an einem Dachbalken entlang und führen ihn die Leiter entlang in die leitstelle511!
Problem: Keins. Da oben lag sogar eine Leiter. Zu dritt konnten wir 10m Lautsprecherkabel schnell über die Balken spannen. Er endete in einem Unun der provisorisch an die Wand geklebt wurde. Dann warfen wir ein Stück Koax runter in den Clubraum und schafften es sogar heile, wenn auch staubig, selbst wieder hinunter.

Doch wohin nun mit Tx und Tuner? Das aus der Dachbodenluke hängende Kabel stellte sich als so kurz heraus, dass die Funkstation direkt darunter aufgebaut werden musste. Als zwei Mate-Kisten gestapelt, Brett drauf, fertig Tisch. (Okay, zugegeben, der Mate-Tisch stand schon fertig da. Foto folgt demnächst.) Steckdose? Ähm … um Strom für den automatischen Tuner zu bekommen, mussten wir das Stromkabel auf Hüfthöhe vor der Eingangstür entlang spannen. Wie sollten so die Amateurfunk-Interessierten zum Zuschauen reinkommen? Also nahmen wir den manuellen Tuner zusammen mit dem akkubetriebenen Tx. So, dann mal horchen …

KW-Radiosender waren ganz gut hörbar. Auf den AFu-Bändern wollten uns aber nur Schaltnetzteile vorsingen. Nur Schaltnetzteile? Nein, ein paar laute Stationen hielten standhaft dagegen. Dennoch verzichteten wir darauf, in Phonie jemandem zu antworten.
Umso besser funktionierte CW. Wir hörten viele Stationen deutlich heraus – leider tue ich mich noch etwas schwer damit CW in vollem Tempo mitzuschreiben. Doch dann geschah ein Wunder: Höchstens eine Minute nachdem die erste CW-Station zu hören war, betrat plötzlich DF1OE den Raum. Jemand der in CW Klönschnack hält und an Contests teilnimmt, genau im richtigen Moment! Nun konnten wir doch noch eine Weile Betrieb machen, vielen Stationen zuhören – und den Anwesenden erklären, was wir da überhaupt machen.
Gehört zu werden, blieb dennoch problematisch. Dank dem ganzen Elektronik-Geblubber in den Räumen des CCC Hannover verstanden wir nur starke Stationen gut, konnten jedoch im Akkubetrieb und mit dem praktisch gar nicht abgestimmten Langdraht nur in Low Power antworten. Alle Verlängerungskabel mit denen wir an Strom für mehr Leistung gekommen wären waren irgendwie gerade im Einsatz.

Aber ging es überhaupt um QSOs? Wir haben unter elektrisch widrigen Bedingungen ein Provisorium in kürzester Zeit zum Laufen gebracht, endlich eine Art von KW-Antenne auf dem Dachboden und einer Handvoll Chaoten demonstriert, dass manuell-digitale Textübertragung nicht alt, sondern gnadenlos fehlertolerant ist.

Wer sich an unserem Langdraht versuchen will, kann seine mobile Funkstation und fünf Meter Koax-Kabel zum OpenChaos (dem offenen Abend) mitbringen und dort lieb fragen, ob jemand ihn mal eben anschließt. Der CCC Hannover trifft sich an jedem letzten Sonntag im Monat ab 16:00 Uhr. Meldet euch am besten auf der Mailing-Liste an, dann ist er Club vorgewarnt.